Brief des BUND an Gewerbetreibende im Argental

Lindau, den 28.05.2018

Naturschutz – Flächenverbrauch

Interkommunales Gewerbegebiet
„In der Au“ zwischen Gestratz und Grünenbach

Seit mehreren Jahren verfolgen die vier Argentalgemeinden Gestratz, Grünenbach, Maierhöfen und Röthenbach das Ziel, zwischen den Orten Gestratz und Grünenbach an der Kreisstraße LI 5 ein interkommunales Gewerbegebiet zu errichten und haben dazu einen Zweckverband gegründet. Die vier Gemeinden wollen auf einer Fläche von – vorerst – 7 ha mitten in freier Landschaft fernab jeglicher Bebauung Betriebe aus ihren Gemeinden, aber auch von auswärts, ansiedeln. Dieses Vorhaben hat vielfältige
Diskussionen ausgelöst und ist heftig umstritten. Die Hauptgründe liegen in der Beeinträchtigung der noch unbebauten Landschaft („landschaftliches Vorbehaltsgebiet“), dem Zersiedelungseffekt, aber auch in der befürchteten Zunahme von Verkehr, insbesondere in der Gemeinde Gestratz.

Wir vom BUND Naturschutz haben von Anfang an die Überlegungen des Zweckverbandes für falsch gehalten und schwerwiegende Bedenken erhoben. Das Gewerbegebiet „In der Au“ stellt aus unserer Sicht einen massiven Eingriff in die Westallgäuer Kulturund Naturlandschaft dar. Der Zweckverbhand meint jedoch, für Betriebe, die aus Orten aussiedeln und erweitern wollen, um auch neue Arbeitsplätze zu schaffen, sei das gerechtfertigt. Wir dagegen hatten argumentiert, Brachflächen und aufgelassene Betriebsstätten wiederzuverwenden und an den bisherigen Standorten durch kluge Raumkonzepte das gleiche Ziel zu erreichen. Damit sollten der besorgniserregende Flächenverbrauch (Bayern: täglich 13 ha) eingebremst und die Zersiedelung unserer Heimatlandschaft gemindert werden.

Dabei erinnerten wir die Verantwortlichen des Zweckverbandes auch stets an die Gebote aus dem Artikel 141 der Bayern-Verfassung. Danach sind die Kommunen verpflichtet, die Schönheiten der bayerischen Landschaft zu erhalten und zu bewahren. Davon ungerührt halten die Verantwortlichen jedoch weiterhin an ihren Plänen fest, „In der Au“ das Gewerbegebiet zu installieren. Dies wäre ohne eine Gesetzesänderung im Landesentwicklungsprogramm (LEP) nicht möglich. Es erleichtert die Ausweisung interkommunaler Gewerbegebiete in die freie Landschaft hinaus ohne Anbindung an vorhandene Siedlungsstrukturen. Voraussetzung ist aber, dass das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird und alternative Standorte nicht vorhanden sind.

1 ) Es dürfte unbestritten sein: Das Gewerbegebiet „In der Au“ würde das Landschaftsbild erheblich stören. Ein freier und unversehrter Landschaftsraum würde zerschnitten, zerteilt und würde mehr als unansehnlich. Auch wenn der Zweckverband das nicht so sehen mag, an dieser Tatsache kann nicht vorbeidiskutiert werden. Zudem haben wir in einer Standortalternativenprüfung aufgezeigt, dass in den einzel nen Orten der Argentalgemeinden durchaus Alternativen für Betriebe vorhanden wären. Erst vor kurzem ist in Maierhöfen auf dem Gardiniagelände ein Betriebsteil aufgelassen worden. Politischer Wille und architektonische Fachkunde hätten hier sicherlich Möglichkeiten schaffen können, Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Aus unserer Sicht dürfte es also nach wie vor äußerst zweifelhaft sein, ob auch nach der LEP-Änderung der Zweckverband ein Gewerbegebiet „In der Au“ ausweisen kann. Wir sind überzeugt, dass die Pläne einer rechtlichen Überprüfung nicht standhalten
können.Bisher hatten wir stets an die Politik appelliert, ihrer Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt in der aufgezeigten Frage gerecht zu werden und die Gebote aus der Bayern-Verfassung zu erfüllen. Dabei darf das Arbeitsplatzargument nicht verwendet werden, um sich darüber einfach hinwegzusetzen. Im Übrigen haben wir im Landkreis Lindau seit langem Vollbeschäftigung.

Mit diesem Brief wenden wir uns heute an alle Unternehmer von Industrie- und Handwerksbetrieben in den vier Argentalgemeinden als auch in der angrenzenden Region, die möglicherweise infrage kommen könnten, das Angebot des Zweckverbandes anzunehmen, um ihren Betrieb in das umstrittene Gebiet „In der Au“ zu verlagern.

Wir wollen Ihnen zu bedenken geben, dass sie nicht nur für das Wohl und Wehe ihres Unternehmens verantwortlich sind, sondern auch dem Allgemeinsinn verpflichtet sein müssten. Das geht schon aus dem Grundgesetz hervor („Sozialbindung des Eigentums“).
Belange des Natur- und Umweltschutzes sind auch für Unternehmer von elementarer Bedeutung und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Abgesehen davon werden unternehmerische Entscheidungen für die Zukunft neben den betriebswirtschaftlichen Kriterien zunehmend an Komponenten „Nachhaltigkeit“ und „Enkeltauglichkeit“ gemessen.Bei der Zerstörung von 7 ha Fläche in einem landschaftlichen Vorbehaltsgebiet wird ein irreversibles Faktum geschaffen, welches beide Punkte nicht erfüllt. Es müsste doch
auch in Ihrem Interesse liegen, dass den nachkommenden Generationen keine zerst ückelte und zersiedelte Heimat hinterlassen wird.
Wie für Kommunen gilt auch für Sie der Auftrag aus dem Artikel 141 der BayernVerfassung, mit den Gütern Grund und Boden sowie mit den landschaftlichen Schönheiten Bayerns schonend umzugehen.

2 ) Das ist das Kapital des Allgäus schlechthin! Für uns ist es keine Frage: Die Ansiedelung von Betrieben in das interkommunale Gewerbegebiet „In der Au“ stünde den Geboten der Verfassung von Bund und Land krass gegenüber.Ganz nebenbei wurde bei der Planung die betriebswirtschaftliche Frage der logistischen Prozesse für einen Unternehmensstandort vollkommen ignoriert. Anlieferung und Abtransport von Waren sind äußerst ungünstig und damit zu Standorten mit guter Verkehrsanbindung ökonomisch vollkommen unrentabel und nicht wettbewerbsfähig.

In diesem Sinne schreiben wir heute auch an Sie. Dabei wissen wir nicht, welche g eschäftlichen Überlegungen Sie für die Zukunft hegen. Unser Anliegen ist es, Sie einmal aus unserer Sicht zu informieren und Sie zum Nachdenken und zur Diskussion anzuregen. Sicherlich sind Sie mit uns der Überzeugung, dass wir alle gemeinsam dafür sorgen müssen, in welchem Zustand wir unsere Natur, unsere Landschaft in die Zukunft entlassen. Im Hinblick auf die Debatten um das Gewerbegebiet „In der Au“ würden wir uns sehr freuen, wenn unser Brief und seine Inhalte in gebührender und nachhaltiger Weise von Ihnen aufgenommen würden. Dafür danken wir Ihnen bestens.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle
Erich Jörg
Kreisvorsitzender

 

Gemeinsam sind wir stark!

Siehe den Protest am Riedberger Horn. Wir Bürger können etwas bewirken, wenn wir uns für unsere Heimat einsetzen.

 

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